Hüft-Strategie bei Zerebralparese, Tess und Stijn
Reha-Arzt Martin Vugts arbeitet täglich mit Kindern. Fast 60 % von ihnen haben Zerebralparese – eine angeborene oder vor dem ersten Lebensjahr entstandene Hirnschädigung. Diese Schädigung verursacht bei den Kindern motorische Probleme. Sie können schlecht sitzen, stehen und/oder laufen. Bei Zerebralparese kommen viel Hüftabweichungen vor, bei denen die Hüfte zum Teil aus der Gelenkpfanne springt. Diese Abweichungen können Schmerzen verursachen und das Sitzen, Stehen und Laufen negativ beeinflussen. Vugts: 'Wir haben eine Hüft-Strategie entwickelt, um Sitz-, Steh- und Laufprobleme in Folge von Hüftproblemen vorzubeugen. Einer der Vorteile dieser Strategie ist es, dass ein Kind eine Sitzvorrichtung hat, mit der die Beine in einem Winkel von 60 oder 45 Grad positioniert werden. Wir haben nach geeigneten Sitzvorrichtungen gesucht, die zu unserer Strategie passen. Und sind schließlich bei Maatwerk fündig geworden.'
Ein spezieller Sophie mit Armlehnen und Abduktionsrolle
Der Stuhl Sophie ist eines der ersten Produkte, das von Maatwerk hergestellt wurde. Sophie hat sich mit dem praktischen modularen System, dem stabilen Bau und dem ästhetischen Design in den vergangenen zehn Jahren immer wieder bewiesen. Jetzt gibt es eine neue Version des Stuhls: mit abgeschrägten Armlehnen und Abduktionsrolle.Ergotherapeut Dorrit Jansen: 'Bei dieser Ausführung wird eine Abduktionsrolle angebracht, die dafür sorgt, dass die Hüften in einem Winkel von 45/60 Grad gespreizt werden. Die abgeschrägten Armlehnen können so eingestellt werden, dass der Oberschenkel an der Außenseite gut unterstützt wird. Kinder müssen sich daran erst gewöhnen. Denn das ist schon etwas seltsam, so eine Rolle zwischen den Beinen. Wir haben genau darauf geachtet, ob das Kind bequem sitzt, einfach aufstehen kann und welchen Effekt das Ganze auf Lernleistung und Konzentration hat. Unsere Erfahrungen sind ausgesprochen positiv. Die Kinder finden es schon recht schnell prima, um 'fest' zu sitzen. Sie werden nicht mehr so schnell müde und sitzen bequemer. Auch die Klassenkameraden reagierten begeistert: Sie sehen, dass der Freund oder die Freundin in aller Ruhe aufrecht sitzen und viel besser mitmachen kann.'
Tess van den Bosch: 'In meiner Klasse haben alle gesagt: Oooh, das ist ein toller Stuhl. Ja, und das stimmt auch!'

Tess: 'Ich musste mich an die Rolle zwischen meinen Beinen gewöhnen, aber das ging schnell. Die Rückenstütze ist schön weich, und das Fußbrett finde ich fein. Da ist so eine Antirutschmatte drauf, damit meine Füße nicht wegrutschen. Mein Stuhl kam später als der von Stijn. Ich konnte es kaum abwarten.'

Sophie für Kids, Junior und Teenager (Tiener)
Auch mit diesem Stuhl macht Maatwerk seinem Namen wieder alle Ehre. Jozef van de Wijdeven ist einer der Entwickler. Er betrachtet es immer wieder als interessante Aufgabe, die Wünsche des Kunden technisch umzusetzen. Jozef: 'Das ist unsere Existenzberechtigung und gleichzeitig auch unsere Ideologie. Es liegt uns wirklich sehr am Herzen, einen Stuhl, Tisch oder ein Bett zu entwickeln, mit dem das Leben eines Kindes zusehends verbessert wird. Der Sophie mit den abgeschrägten Armlehnen gibt es in drei Variationen für verschiedene Altersgruppen: Kids, Junior und Teenager (Tiener). Die Abduktionsrolle gibt es für jeden Typ. Wir stellen die Stühle häufig aus den gleichen Röhren und Teilen zusammen. Dank des modularen Systems kann eine Schule mit recht wenigen Teilen auf Vorrat, sehr viele Stühle zusammenstellen. Auch das Bremsensystem ist – ohne jetzt angeben zu wollen – ziemlich genial. Ein Kind möchte mobil sein. Also haben wir uns ein System ausgedacht, mit dem es selbst die Bremse des Stuhls anziehen kann. Das hat dem Sophie wirklich einen enormen Impuls verliehen.' Die Produkte von Maatwerk sind zwar Maßarbeit, haben aber auch deutliche Gemeinsamkeiten. Sie sind solide, damit man lange Freude an ihnen hat. Sie sind gebrauchssicher und sehen gut aus. Jozef: 'Wir sprechen zunächst eingehend mit den Kindern, für die wir das Produkt herstellen. Sie wissen am Besten, was ihr Körper kann und was sie brauchen. Gemeinsam finden wir dann die ideale Lösung.'Stijn van den Bosch: 'Meine Klasse findet den Stuhl echt cool. Ich bin richtig stolz drauf.'

